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Forschungsstandort Sachsen

Foto Viruteller Wald
Der virtuelle Wald im Visualisierungszentrum des Helmholtz-zentrums für Umweltforschung (UFZ) Leipzig.  © Andre Künzelmann

Das europäische Hartporzellan, die erste Kleinbildspiegelreflexkamera, die Armbanduhr mit Selbstaufzug, die Trommelwaschmaschine, der Teebeutel, die Kaffeefiltertüte – all das sind sächsische Erfindungen, die sich in der ganzen Welt durchgesetzt haben. An intelligenten Lösungen arbeiten Forscherinnen und Forscher auch heute.

In der Mikroelektronik, der Nanotechnologie, dem Maschinen-  und Fahrzeugbau, den Material- und Werkstoffwissenschaften, der Biotechnologie, den Neurowissenschaften, der Medizintechnik und im Umweltbereich wartet Sachsen mit international sichtbarer Spitzenforschung auf. Eine besondere  Bedeutung haben dabei auch die Geistes-, Kultur-, Sprach- und Sozialwissenschaften für die Entwicklung unserer  Gesellschaft und für das Verstehen von gesellschaftlichen Prozessen – regional wie global.

Silicon Saxony: In Dresden schlägt das digitale Herz der europäischen Mikroelektronik, Sachsen ist mit an führender Stelle in der Branche der Informations- und Kommunikations-technologie. Etwa 50.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind heute in Sachsen in der Mikroelektronik beschäftigt.  Mit rund 300 Unternehmen  und Forschungsinstituten ist Silicon Saxony der größte Branchenverband der Halbleiter-, Elektronik- und Mikroelektronik-Industrie Europas. Hersteller, Zulieferer, Dienstleister, Hochschulen und Forschungsinstitute  gründeten im Jahr 2000 in Dresden diesen Verband, der inzwischen das größte Mikroelektroniknetzwerk Europas ist.

Das traditionelle Herz der sächsischen Wirtschaft ist die Region Chemnitz-Zwickau. Fahrzeug- und Maschinenbau haben hier eine lange Tradition. Die technischen Universitäten und die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sind zusammen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen auf diesen Fachgebieten eng mit der Wirtschaft verbunden.

Erkenntnisse der Material- und Werkstoffwissenschaften sind Grundlage für neue Anwendungen und Entwicklungen im Maschinenbau, aber auch für die Nano- und Mikroelektronik oder für die Medizintechnik. Diesen Schwerpunkten widmen sich besonders die Grundlagenforschung an den Universitäten und Max-Planck-Instituten sowie die angewandte Forschung.

Die Themen Ressourcentechnologien, Umweltforschung und Energietechnologien in Verbindung mit nachhaltiger Entwicklung sind in Sachsen in allen Wissenschaftsregionen angesiedelt und werden an Hochschulen, Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft sowie gemeinsam von der Industrie mit Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft bearbeitet. Rohstoffe wie Nichteisenmetalle, seltene Erden oder fossile Energieträger, die Aufbereitung von Wasser bzw. Abwasser, die Anwendung regenerativer Energien, die Entwicklung energieeffizienter Systeme und Energiespeicherung sind die wichtigsten Themen. Auf dem Gebiet der Wassertechnologien sind die sächsische Wissenschaft und Unternehmen bereits sehr gut aufgestellt und erlangen zunehmend internationale Sichtbarkeit.

Mit dem Netzwerk »biosaxony«, das biotechnologisch orien-tierte Forschungseinrichtungen und Unternehmen verbindet, hat sich Sachsen innerhalb weniger Jahre national und inter-national einen Namen als Biotechnologie-Standort gemacht und ist zu einer der dynamischsten Biotechnologie-Regionen in Europa avanciert. Dazu hat die von der Sächsischen Staats-regierung im Jahr 2000 initiierte Biotechnologie-Offensive an den Standorten Dresden und Leipzig mit einer finanziellen Unterstützung von etwa 200 Millionen Euro beigetragen. Heute verfügt der Freistaat Sachsen über eine der dichtesten Biotech-Forschungslandschaften in Deutschland und zählt zu den Top 5 der deutschen Biotechnologie-Regionen. Mehr als 30 exzellente universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, rund 200 international besetzte Arbeitsgruppen, mehr als 65 Biotechnologie-Unternehmen, zehn Pharma-Unternehmen sowie rund 70 innovative Dienstleister prägen mit insgesamt mehr als 6.000 zum überwiegenden Teil hoch qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern diese sächsische Hochtechnologie-Branche.

Zu einem ebenso vielversprechenden Zukunftsfeld entwickelt  sich der Bereich Medizin /Medizintechnik/Neurowissen-schaften. Wichtige wissenschaftliche Regionalzentren für Medizin befinden sich aufgrund der hier angesiedelten Medizinischen Fakultäten und Universitätsklinika in Leipzig und Dresden. Ergänzend wirken Institute der Max-Planck-Gesellschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft, das Helmholtz-Institut für Metabolismus-, Adipositas- und Gefäßforschung an der Universität Leipzig, das Forschungszentrum für Life Science Engineering der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig sowie die Projekte LIFE Leipzig (Leipziger  Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen) und OncoRay Dresden (Nationales Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie).

Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zukunftsfeld  die Gründung von Deutschen Gesundheitszentren, deren zentrales Anliegen die Erforschung von Volkskrankheiten ist. In einem nationalen Auswahlverfahren zu sechs Deutschen Gesundheitszentren haben sich Dresdner Forscher mit vier Zentren behaupten können, die in der sächsischen Landes-hauptstadt ansässig sind. Mit einer bundesweiten Gesundheitsstudie (NAKO) wurde in Deutschland eine einmalige Forschungsressource für die biomedizinische Forschung aufgebaut. Im Rahmen dieser repräsentativ angelegten bevölkerungsbezogenen Langzeitbeobachtung werden belastbare Aussagen über die Ursachen von Volkskrankheiten im Zusammenspiel von genetischer Veranlagung, Lebensgewohnheiten und umweltbedingten    Faktoren getroffen. Standort für die Forschungen zur Nationalen Kohorte in Sachsen ist die Medizinische Fakultät der Universität Leipzig.

Universität Leipzig, Biotechnologisch-Biomedizinisches Zentrum
Universität Leipzig, Biotechnologisch-Biomedizinisches Zentrum.  © Uni Leipzig/Swen Reichhold

Die einzelnen Einrichtungen sind untereinander und auch mit der Wirtschaft vernetzt. Sie pflegen den wissenschaftlichen Austausch und betreiben gemeinsame Forschungsprojekte in verschiedenen Fachgebieten. Diese Vernetzung trägt dazu bei, Ergebnisse aus der Forschung zügig in die industrielle Anwendung zu überführen oder auch Fragestellungen aus der Wirtschaft wissenschaftlich zu analysieren und zu bearbeiten. Viele fachspezifische Forschungsnetzwerke organisieren sich in Sachsen, von denen drei Beispiele nachfolgend aufgeführt sind.

Der Materialforschungsverbund Dresden e.V. ist bereits seit 1993 aktiv und vereint rund 20 universitäre, außeruniversitäre und Industrie-Forschungseinrichtungen vorwiegend aus den Fachbereichen Werkstofftechnik und Materialforschung. Das Spektrum der Forschungstätigkeit erstreckt sich von der Grundlagen- bis hin zur angewandten Forschung und Entwicklung z.B. von Prototypen über nahezu alle Materialklassen. Hersteller, Zulieferer, Dienstleister, Hochschulen und Forschungsinstitute gründeten im Jahr 2000 in Dresden das Netzwerk Silicon Saxony e.V. der Halbleiter-, Elektronik- und Mikrosystemindustrie. Mittlerweile zählt das Netzwerk über 300 Mitglieder und ist inzwischen das größte Mikroelektroniknetzwerk Europas. Im Bereich der Biotechnologie sowie der angrenzenden Ingenieurwissenschaften organisieren sich seit 2009 Unternehmen, Wissenschaft und weitere Partner im Netzwerk Biosaxony e.V.

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