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Wettbewerb »Wissen schafft Perspektiven für die Region!«

Gründung zweier Großforschungszentren schreitet voran: Sechs Konzepte für erste Förderphase empfohlen

Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow © SMWK

In der sächsischen Lausitz und dem mitteldeutschen Revier werden in den nächsten Jahren zwei neue Großforschungszentren entstehen. Damit wird ein Beitrag zum Strukturwandel in den traditionellen Braunkohlerevieren geleistet.

Den Regionen sollen durch die Großforschungszentren auch neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnet werden. Für die Festlegung der inhaltlichen Ausrichtung führen das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), der Freistaat Sachsen und das Land Sachsen-Anhalt derzeit den zweistufigen themenoffenen Wettbewerb »Wissen schafft Perspektiven für die Region!« durch.

Am 22. Juli 2021 hat die hochrangig besetzte Perspektivkommission aus den eingereichten Anträgen die sechs überzeugendsten ausgewählt und dem BMBF für die erste Förderphase empfohlen, in der die Konzepte zur Umsetzungsreife ausgearbeitet werden sollen. Danach findet erneut eine Überprüfung der Konzepte statt, bevor der eigentliche Aufbau von zwei Zentren beginnt.

 

  • Chemresilienz (Prof. Seeberger, Potsdam): Um die Versorgung wichtiger Industriezweige wie Gesundheit, Verkehr, Energie, Landwirtschaft und Konsumgüter sicherzustellen, will »Chemresilienz – Forschungsfabrik im Mitteldeutschen Revier« eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft chemischer Erzeugnisse etablieren. Nachwachsende Rohstoffe, kurze Transportwege sowie lokale, kostengünstige und nachhaltige Produktionsprozesse sollen die Resilienz der deutschen Chemiewirtschaft sicherstellen – bei gleichzeitiger Einhaltung höchster Arbeitsschutz- und Umweltstandards.
  • CLAI_RE (Prof. Teutsch, Leipzig): Das »Centre for Climate Action and Innovation – Research and Engineering« (CLAI_RE) will Klimadaten und -wissen bündeln. Auf dieser Basis sollen funktionale digitale Zwillinge von Ökosystemen geschaffen werden und Datenräume in ganz neuen Dimensionen entstehen. CLAI_RE will Handlungsoptionen für den Klimaschutz mit Fokus auf Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasser, Planung urbaner Räume, Energieversorgung, Gesundheit und Mobilität entwickeln.
  • CMI (Prof. Meiler, Leipzig): Die Initiatorinnen und Initiatoren des »CMI – Center for Medicine Innovation“ nehmen neue Technologien zur Digitalisierung und Individualisierung der Medizin in den Fokus. Durch die Vereinigung von Medizintechnik, Digitalisierung und Medikamentendesign soll ein Zentrum der biomedizinischen Forschung und personalisierten Medizin entstehen. Versorgungs- und Wertschöpfungsketten sollen zu einem Ökosystem vereint werden, das die Integration neuer Produkte in Versorgungstrukturen erleichtert und beschleunigt.
  • Deutsches Zentrum für Astrophysik (Prof. Hasinger, European Space Agency Spanien): In Sachsen sollen die riesigen Datenströme zukünftiger Großteleskope gebündelt und verarbeitet werden. Gleichzeitig sollen in einem neuen Technologiezentrum u.a. Regelungstechniken für Observatorien entwickelt werden. Dabei bauen die Verantwortlichen auf die Erfahrung und das moderne Umfeld der Industrie in Sachsen auf. Zudem wird die Option verfolgt, in den Granitformationen der Lausitz ein Gravitationsteleskop zu bauen.
  • ERIS (Prof. Drebenstedt, Freiberg): Das »European Research Institute for Space Ressources« – kurz ERIS – will wissenschaftliche und technologische Grundlagen für die Errichtung und den Betrieb von Weltraumstationen auf Mond und Mars erforschen. Auf dieser Basis will ERIS Lösungsansätze für gesellschaftlich relevante Herausforderungen auf der Erde entwickeln. Aus Sicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können neue Methoden und Technologien einen Beitrag dazu leisten, Ressourcen im Weltraum und auf der Erde sicherer, effektiver und umweltschonender zu nutzen.
  • LAB (Prof. Curbach, Dresden): Das »Lab – Lausitz Art of Building« adressiert einen Paradigmenwechsel im Bauwesen: neue, ressourceneffiziente und klimaneutrale Werkstoffe sowie modular geplante, hochflexible und lange nutzbare Bauwerke sollen den enormen Ressourcenverbrauch im Bauwesen mindern. Das Konzept integriert die modernsten Ansätze der Materialforschung, der Produktionstechnologien und der Digitaltechnologien, sodass sich die Lausitz als arbeitsplatzwirksame europäische Modellregion für nachhaltiges Planen und Bauen entwickeln kann.

 

Hintergrund:

Am 14. August 2020 ist das »Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen« (StStG) für die durch den Kohleausstieg betroffenen Reviere in Kraft getreten. Um neue Perspektiven für die Kohleregionen zu schaffen, sieht das StStG in § 17 Ziffer 29 die »Gründung je eines neuen institutionell geförderten Großforschungszentrums nach Helmholtz- oder vergleichbaren Bedingungen in der sächsischen Lausitz und im mitteldeutschen Revier auf Grundlage eines Wettbewerbsverfahrens« vor.

Der Wettbewerb hat im November 2020 begonnen. Am 22. Juli 2021 wurde mit der Auswahl von sechs aussichtsreichen Anträgen die erste Förderphase eingeläutet. Die Autorinnen und Autoren der sechs Skizzen haben nun sechs Monate Zeit, ihre Ideen in tragfähige und umsetzungsreife Konzepte für große Forschungszentren zu entwickeln. Sie erhalten dafür bis zu 500.000 Euro. Die in Förderphase I ausgearbeiteten Konzepte werden durch externe Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begutachtet. Auf dieser Basis entscheiden Bund und das Sitzland über die Förderung der beiden besten Konzepte, die ab Sommer 2022 in die Aufbauphase starten. In dieser dreijährigen Aufbauphase werden die rechtliche Gründung und die anschließende institutionelle Förderung vorbereitet. Die Aufbauphase kann bei Bedarf um drei Jahre verlängert werden. Aus dem Strukturstärkungsgesetz stellt der Bund bis einschließlich 2038 je 1,25 Milliarden Euro pro Zentrum bereit.

Weitere Informationen des BMBF
Mehr zu den sächsischen Braunkohlerevieren
Zur Pressemitteilung und Mitschnitt der Pressekonferenz

Bis zum 30. April 2021 lief ein Ideenwettbewerb, der sich an herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im In‑ und Ausland richtete, die eine innovative Idee für ein neues Großforschungszentrum haben, und bereit sind, diese Idee zu einem tragfähigen Konzept weiterzuentwickeln und vor Ort umzusetzen.

Interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren dazu aufgerufen, Ihre Ideen zunächst in Form einer Konzeptskizze beim BMBF einzureichen.
Diese sollte u. a. Folgendes enthalten:

  • Eine ambitionierte Forschungsmission, die den Bogen von der Grundlagenforschung bis hin zur Anwendung spannt.
  • Ein innovatives Konzept zur Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft (inkl. einer Transferstrategie).
  • Ein Vorschlag für einen möglichen Kern an Ressourcen (inkl. Personal).

Die internationale Ausschreibung ist auf große Resonanz gestoßen: Über 200 Ideengeber, davon mehr als ein Fünftel aus dem Ausland hatten sich mit fast 100 Projektskizzen beteiligt. Diese decken eine große Bandbreite von Themen ab.

Die eingereichten Konzeptskizzen wurden durch eine hochrangige Perspektivkommission unter dem Vorsitz von Herrn Prof. Herrmann bewertet. Am 22. Juli 2021 wurden sechs Konzepte für die erste Förderphase empfohlen.

Die ausgewählten Skizzen erhalten für eine etwa sechsmonatige Konzeptionsphase eine Förderung von bis zu 500.000 Euro zur Ausarbeitung der Skizzen zu tragfähigen Konzepten erhalten. Voraussichtlich Mitte 2022 werden aus den ausgearbeiteten Konzepten die beiden Konzepte zur Gründung der beiden neuen Großforschungszentren durch die Zuwendungsgeber ausgewählt. Dies geschieht auf Grundlage einer externen Begutachtung, die die wissenschaftliche Exzellenz der Konzepte sowie den zu erwartenden Beitrag zum wirtschaftlichen Strukturwandel und die vorgeschlagenen Strukturen zur Zusammenarbeit mit der Wirtschaft bewertet.

Begleitet wird das Verfahren von einer Perspektivkommission mit Vertretern aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Innovation und Gesellschaft. Die Perspektivkommission hat die Aufgabe, mögliche Antragsteller gezielt anzusprechen, die Konzeptskizzen zu begutachten sowie Empfehlungen zur Ausgestaltung der Konzepte auszusprechen. Die Perspektivkommission trifft ihre Empfehlung, welche der eingereichten Konzeptskizzen weiterverfolgt und eine Förderung zur weiteren Ausarbeitung erhalten sollen, anhand folgender Kriterien:

  • Überregionale Bedeutung und langfristige Relevanz des Forschungsthemas
  • Erwarteter Beitrag zum Strukturwandel in der Region
  • Innovationspotential für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland, einschließlich des Potentials für neue Wege der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
  • Erfolgsaussichten und Möglichkeit eines raschen Aufbaus

 

Vorsitz

  • Professor Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang A. Herrmann, Präsident Emeritus der Technischen Universität München

Mitglieder

  • Professorin Dr. Katja Becker, Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft
  • Anna Maria Braun, Vorsitzende des Vorstands der B. Braun Melsungen AG
  • Professorin Dr. Martina Brockmeier, Internationaler Agrarhandel und Welternährungswirtschaft, Universität Hohenheim
  • Dr. Alexander Gerst, Deutscher ESA-Astronaut
  • Dr. Andrea Grimm, Mitglied des Aufsichtsrats der IBM Deutschland GmbH
  • Professor Dr. Detlef Günther, Vizepräsident für Forschung der ETH Zürich
  • Professorin Dr. Katharina Hölzle, Leiterin des Fachgebiets IT-Entrepreneurship am Hasso-Plattner-Institut, Digital Engineering Fakultät der Universität Potsdam
  • Professor Dr. Dr. h.c. mult. Stefan Hell, Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie und am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung
  • Dr. Carsten Mahrenholz, Gründer und CEO der Coldplasmatech GmbH
  • Professorin Dr. Patrycja Matusz, Vizepräsidentin für Internationale Beziehungen und Projekte der Universität Breslau
  • Professor Dr. Georg Milbradt, Ehemaliger Ministerpräsident des Freistaats Sachsen
  • Dr. Jeanne Rubner, Leiterin der Redaktion „Wissen und Bildung aktuell“ des Bayerischen Rundfunks
  • Professor Dr.-Ing. habil DEng Dr. h.c. mult. Hans Müller-Steinhagen, Präsident der Dresden International University
  • Professor Dr. Dr. h.c. Joachim Sauer, Senior Researcher am Institut für Chemie der Humboldt Universität zu Berlin
  • Dr. Eric Weber, Gründer und CEO von spinlab, Accelerator der Handelshochschule Leipzig
Lage der Lausitz und des mitteldeutschen Reviers auf einer Karte © SMR
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