Impakt – Synergieeffekte
Die im Weißbuch Forschung dargestellte Systematik weist die Richtlinie RL TG 70 aufgrund ihrer Fokussierung auf den Grundlagenbereich als Basiselement im sächsischen Förderportfolio aus. Die Hebelwirkung, welche das Förderinstrument bezogen auf die Generierung von Drittmitteln (EU, Bund etc.) erreicht, konnte im Rahmen der letzten Evaluierung eindrücklich nachgewiesen werden. Aber auch Synergieeffekte und langfristiger Impakt sind Indikatoren für den Erfolg des Programms. Anhand der folgenden, ausgewählten Projektbeispiele kann nachvollzogen werden, welche umfassende Wirkung die Förderung über den jeweiligen Zuwendungszeitraum hinaus entfaltet hat.
Generative Herstellung von recyclingfähigen Grundstrukturen für die Theaterplastik aus naturbasierten Ausgangsstoffen (GreTA)
- Zuwendungsempfänger: Hochschule für Bildende Künste Dresden
- Laufzeit: 09/2021 - 12/2024
- Fördersumme: 300.000 €
Übergreifende Zielstellung
Erschließung biologisch abbaubarer und recycelbarer Werkstoffe – ohne Abfall -, anstatt konventioneller synthetischer Kunststoffe (z.B. Styropor), mit entsprechender Technologieentwicklung für die additive Herstellung großformatiger Elemente für Theaterplastik, Bildende Kunst und Design.
Wirkung nach Ende Zuwendungszeitraum
Als Resultat steht ein im Projekt entwickeltes neues Druckmaterial (Kork/Gelatine) für das LDM-3D Druckverfahren auf einem speziell dafür angefertigten Großformatdrucker. Erste Praxisanwendungen von Skulpturen, Plastiken und anderen Gegenständen wurden erfolgreich präsentiert, u. a. auf der Felsenbühne Rathen (»Der Freischütz«-Landesbühnen Sachsen), Werkschau Kreatives Sachsen Chemnitz, Theater der Jungen Welt Leipzig, Kulturpalast Dresden-Materialschau, Grassi-Museum Leipzig- Ausstellung »Zukünfte«; 2025 Nominierung zum Sächs. Staatspreis für Design.
Die Erkenntnisse sind außerdem in verschiedene Bereiche der Lehre und Ausbildung an der HfBK Dresden, TU Dresden und HTW Dresden, wie Qualifizierungsarbeiten (u.a. Diplomarbeiten, Studien- und Belegarbeiten) sowie in gemeinsamen Projekten eingeflossen; z.B. Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Studierende arbeiten mit dem additiven Herstellungsverfahren und entwickeln diese sowohl im Bereich Werkstoff- und Prozessentwicklung als auch künstlerisch auf dem Gebiet der Theaterplastik weiter. Durch diesen Austausch zur Technologie und dem Prozess entstehen weitere Verfahren, woraus weiterführende Projekte entstehen können.
Kontakt:
HfBK, ILK – TUD, 3d-labor@hfbk-dresden.de, dietrich@hfbk-dresden.de, eißner@hfbk-dresden.de, johanna.maier@tu-dresden.de
Projektmanagement, Forschungsförderung und Transfer: Neue Anwendungen für Nanofiltration und Umkehrosmose (NU-Flow); EffTemp - Effiziente Werkzeugtemperierung
- Zuwendungsempfänger: Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG), Prorektorat Forschung, Fakultät Natur- und Umweltwissenschaften, Fakultät Maschinenwesen
- Laufzeit: 2015 - 2018
- Fördersumme: 170.000 €
Übergreifende Zielstellung
Vorbereitung und Antragstellung eines interdisziplinären Forschungs- und Entwicklungsvorhabens im Bereich nachhaltiger Materialien. Die TG70-Projekte boten u.a. Neuberufenen einen schnellen Start von Forschungsvorhaben und notwendige Vorarbeiten für Folgeprojekte.
Wirkung nach Ende Zuwendungszeitraum
- Basierend auch auf ermöglichten Vorarbeiten und Unterstützung durch das Prorektorat Forschung: Einwerbung eines großen Verbundprojektes mit in Summe knapp zehnjähriger Laufzeit (2017-26): Partnerschaft LaNDER³. (Gesamtfinanzvolumen ca. 10 Mio. €, dabei knapp 20 % durch beteiligte Unternehmen eingebracht)
- Entwicklung eines starken Netzwerkes mit über 30 Unternehmen und Forschungseinrichtungen, das gemeinsam an praxisnahen Lösungen im Bereich Naturfaser, Kreislaufwirtschaft, Materialinnovation und biobasierte Produkte (Bioökonomie) arbeitet. Erfolgreiche Beispiele sind Einwegschalen aus Naturfasern und naturfaserbasierte Kunststoffmatten zur Anwendung in Zug- und KFZ-Verkleidungen.
- Aufbau einer Forschungshalle an der HSZG, die auch nach Ende des Vorhabens mit vor allem durch den Bund geförderten Forschungs- und Entwicklungsprojekten (teils wiederum Großprojekte, z.B. EnviroPlast) genutzt wird.
- Ausgründung zweier Spin-Offs:
- Ausgründung zweier Start-Ups:
Kontakt:
Prof. Dr. Jens Weber
J.Weber@hszg.de
Soziales, technisches und ökonomisches Potential von Ambient Assisted Living-Technologien zur Bewältigung des demografischen Wandels (AAL) und Vertrauen in Assistenz-Technologien zur Inklusion älterer Menschen (VATI-2 bis -6)
- Zuwendungsempfänger: Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG), Fakultäten Elektrotechnik und Informatik, Sozialwissenschaften, Management- und Kulturwissenschaften sowie In-Institut »GAT – Gesundheit, Altern, Arbeit, Technik«
- Laufzeit: 2013 - 2026 (Teilprojekte)
- Fördersumme: 350.000 €
Übergreifende Zielstellung
Erforschung sozio-technischer Innovationen zur Bewältigung des demografischen Wandels unter Nutzung der ubiquitären Digitalisierung; technische Unterstützung der selbständigen Lebensführung älterer und pflegebedürftiger Menschen sowie ihrer Angehörigen im Kontext demografischer Alterung, zunehmender geografischer Entfernung zwischen Familienmitgliedern und massiven Fachkräftemangels in der Pflege.
Wirkung nach Ende Zuwendungszeitraum
- Gründung des In-Institutes GAT zur besseren Ermöglichung und Koordination der interdisziplinären Forschung sowie des Reallabors AAL-Labors, in dem ältere Bürger die Nutzung technischer Hilfen ausprobieren können und ihre Erfahrungen damit ausgewertet werden. Das AAL-Labor wird in Kooperation mit der Wohnungswirtschaft (KommWohnen GmbH) betrieben und ist inzwischen verstetigt.
- Aufbauend auf der initialen Forschungsförderung des Freistaats Sachsen wurden in den Folgeprojekten des Bundes (Saxony5, AI4ActiveAge, PiTiPS, AIPer) und der EU (Well Care) bislang Fördermittel i.H.v. € 1.150.000 aus Bundesmitteln und € 400.000 aus EU-Mitteln eingeworben.
- Aufbau und Festigung interdisziplinärer Zusammenarbeit von Sozial-, Gesundheits- und Ingenieurwissenschaften (z.B. Cobot²).
- Eingang der Arbeiten in einen neuen Pflegestudiengang, um die Versorgung der Bevölkerung mit spezialisierten Pflegekräften zu verbessern.
- Aufbau des VATI-Navigators (https://vati-navigator.gat.hszg.de/index) zur Recherche von technischen Hilfsmitteln
Links zu den erwähnten Teilprojekten:
AAL-Labor
Saxony5
AI4ActiveAge
PiTiPS
AIPer
EU Well Care
Cobot2
Studiengang Angewandte Pflegewissenschaften
Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Hoff
A.Hoff@hszg.de
Modulares Bauen - Ermüdungsverhalten von Betonfertigteil-Trockenfugen
- Zuwendungsempfänger: HTW Dresden
- Laufzeit: 04/2019 - 12/2021
- Fördersumme: Teilprojekt 120.000 €
Übergreifende Zielstellung
Ein vielversprechender Lösungsansatz, um die nächste Generation von (Brücken)-bauwerken langlebiger, effizienter und somit resourcenschonender zu konzipieren, ist die Modularisierung. Im Werk vorgefertigte Module werden auf die Baustelle geliefert und vor Ort durch entsprechende Vorspanntechnologien gefügt. Das bietet neben einer hohen Fertigungsqualität und einem geringeren Material- und Personalaufwand auf der Baustelle vor allem den Vorteil, dass künftige Bauwerke flexibel erweiterbar und rückbaubar sind. Bei dynamisch beanspruchten Bauwerken, wie beispielsweise Brücken, spielt die Werkstoffermüdung eine große Rolle. Das führt bei modularen Bauwerken zu ermüdungsrelevanten Beanspruchungen in den Fugen zwischen den einzelnen Fertigteilen. Da modulares Bauen im Brückenbau ein vergleichsweises junges Forschungsgebiet ist, soll diese Problematik im Projekt untersucht werden.
Wirkung nach Ende Zuwendungszeitraum
Als Folgeprojekt konnte das Verbundprojekt »PAMB - Pilotanwendung modularer Brückenbau« im Technologietransfer-Programm Leichtbau eingeworben werden. Als regionaler Praxispartner beteiligt sich Hentschke Bau am Projekt Ziel des Projektes: Entwicklung und Realisierung einer Pilotanlage zur Erprobung modularer Brückenüberbauten unter realitätsnahen Bedingungen. Diese Anlage umfasst einen Straßenbrückenprototyp im Maßstab 1:1, vollständig im Werk vorgefertigt, ohne den Einsatz von Ortbeton auf der Baustelle. Die Fertigteile werden über Druckkräfte aus Quervorspannung gefügt, wobei die Querkraftübertragung in den Fugen über die aktivierte Reibung erfolgt. Der Brückenüberbau wurde unter realem Straßenverkehr (einschließl. schwerer LKW) getestet und mittels Echtzeit-Monitoring das Tragverhalten überwacht. Verwertung: Um den Transfer in die Baupraxis zu stärken und noch effizienter praxisnahe Forschungs- und Entwicklungsvorhaben bearbeiten zu können, wurde im Jahr 2022 das Ingenieurbüro sbf ingenieure gegründet. Wesentlicher Bestandteil der Ausgründung ist die Neu- und Weiterentwicklung von Schnellbausystemen im Brückenbau. Weitere Aktivitäten betreffen die Patentierung der Lösung sowie die Aufnahme in bestehende Normen, Regelwerke und Zulassungen. (BMWE; 361.500,-€; 08/2021-07/2023.
Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Holger Flederer
Klimawandelbedingter Anstieg der Konzentration organischer Stoffe im Rohwasser der Trinkwasserversorger in Sachsen (FORZUG III)
- Zuwendungsempfänger: HTW Dresden
- Laufzeit: 04/2022 - 12/2022
- Fördersumme: 66.000 €
Übergreifende Zielstellung
Investition: Beschaffung von e::scan-Sonden zur Erfassung des Spektralen Absorptionskoeffizienten SAK-254 zum Einbau in Uferfiltrations-Messprofile in Sachsen
Wirkung nach Ende Zuwendungszeitraum
- Kooperation mit dem Wasserversorgungsunternehmen DREWAG zu Untersuchungen der Wasserbeschaffenheit bei der Uferfiltration und Grundwasseranreicherung im Wasserwerk Dresden-Hosterwitz, weitergehende Studien zu Flockungsverfahren u.a., Aufbau eines Modells der Flusswasseraufbereitung, weitere Versuche sind geplant. Im Zeitraum 2023-2025 Aufträge der DREWAG im Umfang von 45.000 € für strategische Kleinprojekte zur Sicherung der Wasserqualität.
- Kompetenzzuwachs auf dem Gebiet der Untersuchung organischer Stoffe und Spurenstoffe trug bei zur Einwerbung von internationalen Forschungsprojekten wie z. B. »Ausbau des deutsch-indischen Kompetenzzentrums Uferfiltration – CCRBF« (BMBF, 2022-2024, 593.000 €) sowie der Ausrichtung der Internationalen Riverbank Filtration Conference in Dresden am 16-18.10.2024.
- Die Geräte und Ergebnisse werden in den Lehrveranstaltungen an der HTW Dresden, Weiterbildungsveranstaltungen in Sachsen und im Rahmen der jährlich an der HTWD stattfindenden internationalen Sommerschulen »Managed Aquifer Recharge International Summer School – MARISS« vorgestellt.
- Ein Forschungsprojektantrag zur Steuerung von Sickerbecken in Deutschland (Schwerpunkt Dresden-Hosterwitz) unter Einsatz der Sonden wurde 2025 eingereicht beim BMFTR Programm HAW ForschungsPraxis, jedoch abgelehnt.
Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Thomas Grischek
thomas.grischek@htw-dresden.de
iBeat - Interaktive, Begreifbare und Elektronische Akustik für Therapien
- Zuwendungsempfänger: HTW Dresden
- Laufzeit: 04/2023 - 12/2026
- Fördersumme: Teilprojekt IBeat: 181.500 €
Übergreifende Zielstellung
Ziel des Forschungsprojektes ist, Musiktherapie über Distanz durch die Entwicklung von Tangible User Interfaces (TUI), sogenannten begreifbaren Mensch-Technik-Schnittstellen, zu unterstützen und voranzutreiben. Diese TUI sind das zentrale Element der Interaktion zwischen Klientinnen und Klienten und Therapeutinnen und Therpeuten. Sie erzeugen basierend auf Bewegungen und Interaktionen Klänge und spielen diese haptisch erfahrbar aus. Im aktiven Miteinander sollen hierdurch Klang- und Bewegungswelten erzeugt werden, die als Ausdrucksmedium für Emotionen und Empfindungen dienen.
Wirkung nach Ende Zuwendungszeitraum
Aufbauend auf den SMWK-Mitteln konnte ein BMBF-Verbundprojekt mit der Charité eingeworben werden. Mit HILDE (Haptische Interfaces für Lebendige Digitale Erfahrungen) möchten wir Videotelefonie und die Kommunikation über Distanz durch Tangible User Interfaces sinnlich erweitern. Der Tastsinn ist der grundlegendste Sinn des Menschen und hat eine hohe Bedeutung für den sozialen Austausch. Durch haptische Stimulation können kognitive wie seelische Fähigkeiten und damit das Wohlbefinden und die Autonomie nachweislich positiv beeinflusst werden. Nutzerinnen und Nutzer von HILDE sollen ihr Gegenüber nicht nur sehen und hören, sondern auch fühlen und begreifen und ihre Hände und den Körper zur Kommunikation einsetzen können. Die in HILDE entstandenen Demonstratoren sollen nach Projektende weiterentwickelt und im Rahmen eines Validierungsvorhabens für die marktwirtschaftliche Verwertung verbessert werden. Ziel des Prozesses ist die Ausgründung einer Start-Ups, dass sich mit der Weiterentwicklung und Vertrieb des erreichten Standes befasst. (BMBFT - Nähe über Distanz; 04/2023 - 06/2026; 646.000 €)
Kontakt:
Prof. Dr. Johanna Dauner, Prof. Dr. Georg Freitag
Niedrigschwellige Familienbildung von und mit Familien in kritischen Lebenskonstellationen
- Zuwendungsempfänger: Evangelische Hochschule Dresden
- Laufzeit: 04/2022 - 07/2025
- Fördersumme: 200.000 €
Übergreifende Zielstellung
Das Forschungs- und Praxisentwicklungsprojekt sollte den Zugang und die bedarfs- und bedürfnisangemessene Nutzung von Angeboten der Familienbildung durch die Zielgruppe der Familien in komplexen Problemlagen verbessern. Durchführung in Kooperation mit dem »Forum Familienbildung« der ev. Arbeitsgemeinschaft für Familien und der Arbeiterwohlfahrt.
Wirkung nach Ende Zuwendungszeitraum
- Weiterentwicklung der beteiligten Familienbildungseinrichtungen im Sinne der Niedrigschwelligkeit; Einzelergebnisse beteiligter Einrichtungen u.a.: Vermehrte Nutzung der Familienbildung durch Menschen mit Migrationsgeschichte, Öffnung eines Gartens für die Nachbarschaft, Konzeption eines Nachbarschaftscafés, Konzeption offenes Haus »Fabi« als soziokulturelles Zentrum, Bildung sozialräumlicher Kooperationen zur Familienun-terstützung, Entwicklung nutzerfreundlicher Kommunikationsstrategien
- Entwicklung und Erprobung des »Index Niedrigschwelligkeit« gemeinsam mit den Akteuren und Akteurinnen, Onlinepräsentation des Index mit über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bundesweit und weiteren elf Veranstaltungen
- Bereitstellung von Projektergebnissen (Projektbericht) und Arbeitsmaterial (Index Niedrigschwelligkeit sowie Kartenset) digital und analog in einem open access Band in der ehs – Schriftenreihe: Abschlussbericht »Niedrigschwellige Familienbildung von und mit Familien in kritischen Lebenskonstellationen« (2022-2025)
- Veröffentlichungen:
- Deck, Sophia; Solf, Christiane (2023): Wie macht sich Familienbildung (un-)erreichbar? In: Familienpolitische Informationen, 4, S. 8-13.
- Solf, Christiane (2024): Niedrigschwelligkeit gemeinsamer Mahlzeiten in der Familienbildung. In: Hirschfeld, U.; Liedke, U.; Winkler, M. (Hg.): Verstehen und Verantwortung in Organisationen und Bildungsprozessen, Beltz, Weinheim, S. 308-319.
- Präsentation in öffentlicher Ringvorlesung ehs »Aktuelle theoretische, empirische und methodische Diskurse in der Sozialen Arbeit«
- Anfragen von Landesverbänden der Familienbildung und weiteren Akteur:innen zur Präsentation der Ergebnisse
- Anfrage für auf dem Vorhaben aufbauender wissenschaftlicher Begleitung eines Modellprojektes zur familienbezogenen Sprachbildung von Kindern
- Entwicklung eines Fortbildungsformates für Einrichtungen der Familienbildung
Kontakt:
Prof. Dr. Christiane Solf
Christiane.Solf@ehs-dresden.de